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07.02.2010
 

Westfälische Allgemeine Zeitung, 06. Februar 2010
Harte Kost am heiligen Ort

Lünern. Wüste Offenbarungen in der Kapelle, Gebrüll, Handgreiflichkeiten. „Verdammte Familie!“ Stühle krachen, Gläser zerschellen, Geschwister fahren sich an die Gurgel, Ehebruch, Selbstmord, lesbische Liebe.

Dazu Missbrauch von Kindern durch den eigenen Vater als zentrales Thema – harte Kost am heiligen Ort, der Antoniuskapelle.

Abgründe tun sich auf unter den Augen der verwunderten Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Die Messe ist gelesen, Vorhang auf. Nach viel Kino erstmals Theater in Lünern, unmittelbar nachdem die Samstagbendmesse gelesen ist. Das Stück „Das Fest“ vom dänischen Erfolgsautor Thomas Vinterberg verläuft für die 67 Kirchbesucher im Dorf als grandiose Premiere, da sich die ungewöhnliche Kulisse am sakralen Ort als ebenso genial entpuppt, wie das Kölner Laienensemble „ebenDIE“ den knallharten Inhalt umsetzt. Laien allesamt, man mag es kaum glauben. Einer, Michael Grünwald, stammt aus Fröndenberg.

Da stehen sie zusammen, um den 60. Geburtstag des Vaters und Familienpatriarchen Helge Klingenfeldt-Jansen zu feiern, obwohl dessen älteste Tochter Linda kurz zuvor Selbstmord begangen hat, ihr Abschiedsbrief wird vorgelesen, Missbauch der Kinder durch den Vater wird publik. Trotzdem wird zunächst auf Teufel komm raus sein Geburtstag gefeiert.

Zeremonienmeister Leif zieht zur Polonäse durch das Haus, röhrt „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ und ruft „Ich liebe diese Familientraditionen!“, was Abgründe offenbart, denn was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Thema Missbrauch soll nicht außen vor bleiben

„Wir wollen uns solche harten Themen nicht ersparen“, erklärt Pastor Andreas Bruders vor dem Hintergrund der aktuellen Missbrauchsenthüllungen in der katholischen Kirche, „Kirche muss sich diesen Wahrheiten stellen.“ Den Mut des Pastoralverbundes dazu belohnt das Publikum ebenso wie die Darbietung mit Applaus. Ein außergewöhnlicher Theaterabend. Vorhang zu, Amen – und hoffentlich bald mehr davon.

Quelle




Presseresonanz | 09.10.2008