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17.01.2008
 

Kölner Stadtanzeiger, 17. Januar 2008
Es geht um ein Menschenleben
Justiz-Drama im Arkadas-Theater

Die Amateurtheatertruppe Ebendie und Regisseurin Sabine Hahn präsentierten ihre Version von „Die zwölf Geschworenen“.
Die von Vorurteilen geprägte Mehrheit wird von einer einzigen Person umgestimmt.
von Anja Elsen

Ehrenfeld - Es ist ein heißer Sommertag im New York der fünfziger Jahre. In einem spärlich möblierten Hinterzimmer des Gerichtssaals sitzen zwölf Geschworene an einem Holztisch und sollen ihr Urteil über einen 18-Jährigen sprechen – Todesstrafe oder Freispruch. Sie schwitzen, auch ein alter Ventilator bringt keine Kühlung. Eigentlich wollen alle nur schnell nach Hause. Doch „berechtigte Zweifel“ der Geschworenen Nr. 8 halten alle in dem Raum gefangen. Sie stimmt als einzige der Runde für „nicht schuldig“, weil sie ein Menschenleben nicht leichtfertig zerstören will. Zunächst verhöhnt und verlacht, gelingt es ihr in langen ruhigen Diskussionen alle Zeugenaussagen in Frage zu stellen. Als schließlich auch Geschworener Nummer 3 unter dem Druck der anderen zugeben muss, nur aus eigenem Zorn und Engstirnigkeit heraus zu urteilen, schließt er sich als letzter dem Freispruch für den Angeklagten an. Die Kölner Theatergruppe Ebendie hat unter der professionellen Leitung von Regisseurin Sabine Hahn, die 2005 den Kölner Theaterpreis erhielt, das Arkadas Theater in einen verstaubten Konferenzraum verwandelt. Mit wenigen Requisiten dafür aber mit viel Mimik, Gestik und Wortgefechten konnten die Zuschauer die Hitze und die Erregung mitfühlen. Obwohl das Stück „Die zwölf Geschworenen“ von Werbetexter Reginald Rose durch den Filmklassiker mit Henry Ford hinlänglich bekannt ist, zogen die Schauspieler die Besucher mit schlagfertigen Dialogen in ihren Bann. Die fast zweistündige Aufführung verging wie im Flug. Ein halbes Jahr haben die Laien- Schauspieler, die seit 2005 zusammen auftreten, für die Vorbereitung dieser Produktion benötigt. Einmal pro Woche und zum Schluss auch an den Wochenenden wurden die Rollen entwickelt. Ob aufbrausender Choleriker oder unsichere Bankerin, die Darstellung der unterschiedlichen Rollen bereitete den Schauspielern sichtliches Vergnügen und ließ ihnen viel „Spielraum“. Christiane Flüter-Hoffmann spielt eine russische Emigrantin mit herrlichem Akzent, die den anderen die Prinzipien der amerikanischen Verfassung erklären muss. Sie berichtet, dass Sprachbehandlung und Konversation die Lernziele der Vorbereitung waren. Das so von Profi Sabine Hahn Erlernte konnten sie in diesem Drama besonders gut umsetzen. Das Stück zeigt, wie eine einzelne Person mit Worten, unerschütterlicher Überzeugungskraft und geschickter Strategie eine von Vorurteilen und Rachegefühlen geprägte Mehrheit umstimmen kann. Ob der Junge seinen Vater getötet hat oder nicht, das bleibt am Ende offen.




09.10.2008 | 17.12.2007